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„Wenn ich einen Buchladen betrete…“

Als ich mich kürzlich bei Facebook angemeldet habe, sollte ich mein Heimatland angeben. Ich wusste nicht, was ich da schreiben soll. Ich bin geboren in der Sowjetunion, aber die gibt es nicht mehr. Als Teil der Russischen Förderation fühle ich mich auch nicht. Seit ich im Jahre 1991 von Moskau nach Deutschland gekommen bin, war ich nicht mehr dort. Israel ist mir als Jüdin natürlich sehr wichtig. Ich besuche das Land gerne, aber Heimat ist es für mich ebenfalls nicht, Mit Heimat ist es bei mir also problematisch.

Wo ich mich wohlfühle, das ist mein Haus: zwischen all den kleinen Dingen wie Fotos und vor allem meinen Büchern. In meiner Kindheit waren wir mit meinem Vater oft in Buchläden. Wenn ich heute einen Buchladen oder eine Bibliothek betrete, ganz egal wo, dann fühle ich mich dort sofort wohl. Ich liebe Deutschland, die Kultur, die Landschaft und die Menschen. Aber ich kann nicht sagen, dass Deutschland meine Heimat wäre. Meine Heimat existiert in meinem Herzen, in meiner Seele. Zurück zu dem Ort und in die Zeit meiner Geburt, meines Studiums und meiner ersten Arbeite kann ich nicht.

Tanya Smolianitski, Bildungs- und Familienreferentin der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen, 2013

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