Wozu Erinnerungen festhalten?

Die Sehnsucht nach verlorener Heimat kennt viele Formen eines erinnernden Festhaltens des Verlorenen. Meist schiebt sich ein beispielhafter Ausschnitt ins Zentrum: ein Bild, ein Ding, Sprache und Literatur, ein Geruch von Wald oder Großmutters Kochkünste. Auch der Wunsch nach Rückkehr gehört zu den Reaktionen.

Die vom NS-Regime vertriebenen Juden hatten ihre gewohnte Lebens- und Arbeitsumgebung, die Rechtssicherheit eines Zuhauses, Besitz und Vermögen verloren. Familien waren getrennt, geliebte Menschen verschollen oder ermordet. Der Verlust war kaum erträglich, das Verlorene konnte nirgendwo ersetzt oder wiedergefunden werden.

Das Aufschreiben persönlicher Erinnerungen war ein Weg damit umzugehen, als Aufschrei oder distanzierter Bericht, als realistische Schilderung oder als verklärtes Bild der verlorenen Heimat und Kindheit. Andere wählten die Arbeit an der Dokumentation des zerstörten jüdischen Lebens. Zentral für beide: das Festhalten an der deutschen Muttersprache.


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