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Die Schwerter „Schichte“: Schwerter Juden und ihre Nachbarn

Lageplan Schicht 3Die westfälischen Nachbarschaften entstanden als Zusammenschlüsse der Bewohner einzelner Straßenzüge oder Straßenabschnitte. Sie regelten soziale Aufgaben, etwa die Kranken-, Not- und Sterbeversorgung, den Feuerschutz und Ordnungsaufgaben.

In Schwerte bestanden seit dem Mittelalter die sogenannten »Schichte« mit einem 1. und einem 2. Schichtmeister an der Spitze, jeweils für ein Jahr gewählt. Die Teilnahme an den Jahresversammlungen war für alle Nachbarn Pflicht, ebenso am Nachbarschaftsmahl mit urwestfälischen Speisen. In „Schichtbüchern“ wurden u.a. besondere Ereignisse aufgezeichnet.

Hier finden sich zahlreiche Hinweise auf jüdische Nachbarn, ihren Anteil am nachbarschaftlichen Leben, ihre Zahlungen für das Erbnachbarschaftsrecht oder das jährliche Nachbarschaftsgeld für Mieter. Sie übernahmen auch tragende Positionen bis hin zum 1. Schichtmeister. Bis 1930 werden 12 jüdische Familienvorstände genannt, die dem Schicht angehörten und auch besondere Funktionen übernahmen. So wurde noch 1929 Carl Steinweg zum 2. Schichtmeister gewählt, 1930 dann sogar zum 1. Schichtmeister.Schwerte Nachbarschaftslied Seite 2

Ein lustiges Nachbarlied
in dem siebenten Schicht der Stadt Schwerte zu singen
nach der Melodie »Prinz Eugen der edle Ritter«
oder »König Wilhelm saß ganz heiter« —

Nachbarschaft – die ist ja heute
Und es sind die Nachbarsleute
Alle schon im Wirtslokal,
Um das Nachbarbier zu trinken,
Und es brät der Nachbar-Schinken

schon zum saften Nachbar-Mahl.
Nun geht’s zu den Tafelfreuden:
Tütel muß den Schinken schneiden.
Alles setzt sich hin zum Mahl. –
Nur der Sänger schaut verdrießlich,
Und auch ist die Lage mißlichSchwerte Nachbarschaftslied Seite 1
Unserm Moses Felsenthal.
Simon, der mit seiner Nase
Nur zu selten steckt im Glase
Ißt auch keinen Schinken nicht, 
Dieweil Moses anbefohlen,
Daß die Kinder Israels sollen
Meiden jeglich Schweinsgericht.
Doch ein Schellfisch muß es machen,
Und der bringt dann auch zum Lachen
Uns‘re Nachbars-Judenleut. —
Und so sind wir alle heiter,
Essen, trinken, spielen weiter,
Nichts geht über Nachbarfreud‘

 

 

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